WTF: Russland ist einfach geil
21. März 2016
9 Uhr
Nach heute wird nichts mehr so sein wie es war. Denn wir sind ein unnützes Volk. Die Deutschen maulen, dass Ritter-Sport die Schoki-Preise erhöht, mit Siggi Gabriel ausgerechnet ein Sozialdemokrat (!) mal eben das Monopol-Gesetz der BRD kippt, und selbst Kaiser lügen, wenn es um Bestechungsgelder oder Sklavenarbeit geht. An diesem Tag flüstert uns Väterchen Sovjet ins Ohr, wie geil es ist in Russland zu leben: Hier gibt es Schokolade, die das Leben verlängert. Den Duft der Macht in Flaschen abgefüllt. Und die Erkenntnis, dass selbst der Star-Wars-Plot aus der UDSSR geklaut wurde. Holt Eure Pässe raus, wir ziehen um – ins scheinbar beste Land, das jemals erfunden wurde. Oder auch nicht.

1. Die geilste Schokolade der Welt
Ritter Sport, der Deutschen liebste Schokolade, erdreistet sich dieser Tage, die Preise anzuheben. Hashtag Aufschrei! Der Süßkram-Rubikon, die magische Ein-Euro-Grenze, wurde überschritten. Unfassbar. Nur weil Mandeln, Haselnüsse und Kakao immer teurer werden. Da ist uns Russland weit voraus: Die verarbeiten Fisch in Schokolade. Ein Triumph der Wissenschaft! Dem „Sputnik“-Magazin zufolge haben russische Forscher der Region Primorsky eine Schokolade entwickelt, die das Leben verlängern soll. Wie? Mit Inhaltstoffen die aus Seeigeln und Seesternen gewonnen werden. Fünf bis zehn Gramm Ewig-Leben-Schoki seien genug, um eine physiologische Wirkung hervorzurufen. Sogar – und das ist der russischen Seele natürlich besonders wichtig – würde auch die Arbeitsfähigkeit und Produktivität steigen. Phänomenal. Wie geil ist das! Schokolade, die nach Fisch schmeckt und unsere Arbeitsfähigkeit steigert?! Sollte ab nächster Woche auf keinem Schreibtisch der Republik fehlen. Achso, kleiner Haken: Eine Tafel kostet 15 Euro.

2. Der geilste Duft der Welt
Kurz herrschte letzte Woche Irritation im Führerkult. Stand da auf einem Foto hinter Putin ein Bügelbrett? (Hier zu sehen) Ganz Russland hielt den Atem an. Bügelt der coolste Mann der Welt etwa selber? Dann Erleichterung: Nein, das mysteriöse Objekt ist ein UV-Luftreiniger, der sauber macht, wenn Putin Besuch hatte. Zurück bleibt nach der Bestrahlung im Zimmer nichts als aseptische, bakterienfreie klare Zarenluft. Wonach die dann so riecht? Nach purer Männlichkeit und geballter Macht natürlich. Nach Führer. Oder um genau zu sein: nach „Leaders“. Der Duft, der seit kurzem in Moskua erhältlich ist und mit dem Konterfei des One-and-Only geziert wird, riecht „warm aber texturiert,“ wie der weißrussische Parfumeur dieses Meisterwerkes, Vladislav Rekunov, berichtet. „Soft aber sehr sehr kräftig zugleich.“ Die Redaktion der Komsomolskaya Pravda wird genauer: Das Wässerchen riecht nach Zitrone, Bergamotte und schwarzer Johannisbeere. Schnell kaufen, völlig unverständlicherweise ist die Revolution der Duftbranche nämlich leider limitiert auf erstmal 2.000 Flaschen (100 ml für 57 Euro). Böse Zungen aus dem Westen behaupten ja, die Duftmischung wäre nur geklaut vom Lieblingsduft aller Teenagerinnen der Achtziger: Cacharels "Anaïs Anaïs". Aber solchem kapitalistischen Geschwätz darf man keinen Glauben schenken.

3. „Star Wars“ - das geilste Märchen der Welt
Apropos geklaut: Nicht nur, dass Gott-und-die-Welt behaupten, Tennis-Spielerin Maria Scharapowa sowie sechs weitere Sovjet-Sportstars wären so gut wie ständig auf Droge, also auf Meldonium... und das aus blankem Neid auf die Leistungsträger! Jetzt enttarnte ein führender Russlandkopf, wie tief der Neid des Westens tatsächlich sitzt: Der nobelpreisverdächtige Wissenschaftler Eugenij Garin aus Tomsk offenbarte, dass der erste Teil der kapitalistischen „Star Wars“-Reihe frech geklaut ist. Die Geschichte erzählte das sowjetische Kinomärchen „Koschtschei der Ewige“ nämlich schon im Jahr 1944. „Man kann über eine völlige Übereinstimmung der Szenarien der beiden Filme sprechen: Die sozialen Rollen der Helden stimmen überein, genauso wie die soziale Interaktion zwischen ihnen, die Evolution der sozialen Umgebung beider Werke. Das zeugt von der kompletten Kopie der Urquelle „Koschtschei der Ewige“ mit einem minimalen Beitrag des Autors zum Szenario des Plagiats, der Trilogie „Star Wars“, schrieb Garin in einer Erklärung.
Das wissen zwar nur wirklich Schlaue, aber: Koschtschei der Ewige ist eine beliebte Figur der russischen Mythologie. Er erscheint oft als hässlicher alter Mann, der junge Frauen bedrängt. Da ist das Plagiat ganz offensichtlich: Yoda wanzt sich an Prinzessin Leia heran. Widerlich, diese Plagiate!