Wie lange darf der Bart sein?
18. April 2016
15 Uhr
Die Großstadtjugend hat sich geschnitten: Glatt oder dezent stoppelig ist jetzt das motto – rasiert euch! Aber brav nach Vorlage. Denn wie lange die Stoppeln im Gesicht sein dürfen ist nicht nur eine frage des Zeitgeistes, sondern auch der eigenen Genetik

2013/2014. Diese Jahre werden wohl als jene der Rückkehr des Zausels in Erinnerung bleiben. Gentrifizierer in den Großstädten liefen auf einmal rum wie DDR-Bürgerrechtler 1984. Modesoziologen haben sicher eine passable Erklärung dafür. Aber die haben wir schon wieder vergessen, denn: Die Komplettgesichtsbehaarung ist ebenfalls bereits Geschichte. Mode ist ein scheues Reh. 2016 rasiert man wieder glatt oder auf Dreitagebart. Wem welche Bartlänge steht, entscheidet die Gesichtsform:


0,0 mm Bartlänge
Markantes Kinn, eckiges Gesicht: der Clean-Cut für den Businessmann

Die radikalste Lösung, um mit dem leidigen Hipster-Accessoire zu brechen: Nassrasierer kaufen, die Haut fingerdick einschäumen und alles abholzen. Jeden Morgen. Sieht am besten aus, wenn man dabei ein kräftiges Kinn freilegt – rundliche Gesichter sind in Gefahr, zu kindlich zu wirken. Jetzt im Trend: zum glattrasierten Gesicht kurze Koteletten (bis auf halbe Ohrenlänge). Problem: Der Clean-Cut wirkt schnell knabenhaft. Deswegen muss die Frisur einen Kontrapunkt setzen – eine selbstbewusste Gel-Tolle legt standes- und altersgemäße Denkerfalten oder Geheimratsecken frei.

0,2 mm Bartlänge
Rundes Gesicht: das Revival des Kinnbarts für Alphakerle

Markige Muskelmänner wie Channing Tatum tragen ihn neuerdings wieder, den akkuraten tough guy rund ums Kinn. Wangen, Oberlippe und Backen werden glatt rasiert, dann mit einem Elektrorasierer das Nest am Ende des Gesichts auf 0,2 Millimeter gestutzt und – wichtig – jeden Tag auf genau dieser maximal tolerierbaren Länge gehalten. Vorteil: Der Look strotzt vor Männ-lichkeit. Folgerichtig darf die Frisur dazu nicht zu soft aussehen. Am besten fährt man mit dem Radikalschlag, einem rasierten Military-Cut ohne Koteletten, der durch verschiedene Längen an der Seite und am Oberkopf Kontur verleiht.

0,5 mm Bartlänge
Langes, schmales Gesicht: der lässige Surferstyle

Okay, die Kombination aus Bartanflug und langen Haaren kann man sich nur leisten, wenn man Kreativer ist. Oder Chef von dat Janze. Aber dann ist der Trend echt smart und funktioniert – durchaus auch zu Streifenhemd und Sakko! Haare wachsen lassen und mit Haarfestiger in einzelne Partien strähnen. Das ist die ideale Anmutung für einen entspannten Kreativarbeiter, der sich den
Surferbart leisten kann und dabei noch auf Möchtegern-Hipster herunterschaut. Tipp: Die Wangen bitte sauber ausrasieren, den Hals aber stoppelig lassen. Selbst bei dünnen Männern sieht es unter dem Bartansatz sonst nach Doppelkinn aus.

0,7 mm Bartlänge
Schmales Gesicht, spitzes Kinn: Der toy boy, die derzeit maximale Trendlänge

Normalerweise vertreten wir nicht die Meinung, dass Sex-Appeal eine Verfallszeit hat. Es gibt Männer, die im Alter immer besser werden. Aber: Dieser Look hört exakt am Morgen des 35. Geburtstags auf, gut auszusehen. Was soll’s, bis dahin kaschiert er spitze Gesichter und generiert nachts jede Menge Telefonnummern. Schnittvorlage: unterhalb und neben dem Mund sowie im Wangen- und Backenbereich alles glatt rasieren. Stehen bleibt nur etwas Bewuchs direkt unter den Wangenknochen sowie entlang der Gesichtskanten und auf der Oberlippe. Die Frisur matt stylen, nicht mit Wetgel, dann sieht’s richtig modern aus.