Nackt besser riechen
10. Februar 2016
17 Uhr
Nach dem Fitness ist vor dem Sex. Es gibt Momente, wenn gut auszusehen nicht reicht. Man will auch noch gut riechen, sich gut anfühlen. Nur: Logisch, dass man sich kein Parfum auf die Männerbrust pempern will. Riecht zu stark und schmeckt bitter, wenn man darüber leckt. Also, was tun um den maximalen Körperzustand zu erreichen? Wie wird man oflaktorisch hot?

Die Antwort kommt von der Insel Tahiti. In einer Zeit, in der sich noch niemand die Worte Parfumerie oder Marketing ausgedacht hatte, und als Beauty noch ein Prädikat war, keine milliardenschwere Industrie, rieben sich die Leute schon mit Monoi-Öl ein. Ich habe mir gerade mal wieder eine Flasche gekauft – und was soll ich sagen, das Zeug ist immer noch so genial wie vor Jahrhunderten!

Im April 1769 landete der englische Abenteurer James Cook im Auftrag ihrer Majestät, König George III., mit seiner fast hundert Mann starken Besatzung auf der tropischen Vulkaninsel Tahiti. Und verpaßte eine der größten Chancen seines Lebens. Vor Ort beobachtete er die Riten und Angewohnheiten der Inselbewohner – und maulte später ganz offiziell in seinem Reisebericht fröhlich über den Beauty-Alltag der Einheimischen:

„Das einzig Missliche an ihnen ist das Öl, mit dem sie ihre Köpfe einreiben, Monoe, wie sie es nennen; dieses ist Kokosnussöl, welchem gewisse süße Kräuter und Blumen beigemengt sind, und das Öl ist im allgemeinen sehr ranzig, was seinem Benützer keinen sonderlich angenehmen Duft verleiht.“
James Cook: Logbücher der Reisen 1768-1779, Stuttgart 1988 (Nachdruck)



Tatsächlich basiert Monoi-Öl bis heute auf dieser sehr simplen Rezeptur: weiße Tiaré-Blüten werden in Kokosnussöl eingelegt, bis das Öl den Duft der Blüten aufgenommen hat. Und beides gibt es auf Tahiti im Überfluss: Blüten und Kokosnüsse. Ergo ist Monoi-Öl heute immer noch der export-Schlager der eher überschaubaren Insel-Industrie… Mittlerweile ist das Öl natürlich nicht mehr ranzig, sondern hochrein und riecht ziemlich toll. zum Glück übrigens nicht erwartungsgemäß nach einer Kokosnuss-Bombe, sondern irgendwie nach Südsee, Urlaub, Strand.
Früher auf Tahiti haben sich die Männer und Frauen mit dem Öl ihre Körper und ihre Haare eingerieben, als Schutz gegen den salzigen Wind, der von der See über das Eiland wehte. Bis dato hat man auch tatsächlich herausgefunden, dass Kokosöl verdammt gut für die Haut ist: es regeneriert sie, unterstützt natürliche Heilungsprozesse – z.B. bei Narben. Es wirkt antiviral, antibakteriell und fungizid, kann also gegen Unreinheiten helfen, hilft empfindlicher, gestresster Haut, indem es Bakterien und Pilzen den Nährboden entzieht, und bekämpft Schuppen, wenn man ein paar Tropfen auf die Kopfhaut massiert. Man kann das Öl sogar vor der Haarwäsche in der Mähne verteilen und dann ausspülen – so hinterlässt es nur ein bisschen Glanz und den angenehmen Südsee-Geruch.

Mein Lieblings-Tiaré-Öl kommt von Yves Rocher, hat sogar von der Stiftung Öko-Test ein „Sehr Gut“ bekommen, auch wenn ich auf diese Stiftungs-Prädikate sonst nicht viel gebe. Und wer jetzt denkt, so ein Öl wäre nur was für Mädchen, der irrt sich. denn auch wenn bei Rocher der Werbeslogan ”Das Schönheitsgeheimnis der Frauen von Tahiti“ lautet, den ich zum Davonlaufen doof finde, dann soll man nur mal an die stolzen, tätowierten Kerle der Insel denken, die ihre muskulösen Körper schon seit Jahrhunderten damit einölen. Der Ölfilm auf der Haut zieht übrigens schnell ein, wem es trotzdem zu viel ist – das Produkt gibt es auch als Trocken-Öl-Version, selber Effekt aber ohne ölige Sensation.
Produkt: „Traditionelles Tiaré-Öl“, Yves Rocher, 8 Euro
Auch erhältlich als Trockenöl zum Aufsprühen!

Sehr geehrter Herr Cook, wenn Sie das hier lesen: Hätten Sie damals das Rezept des Monoi-Öls mit nach England gebracht, statt darüber zu schimpfen, könnte ihr Name heute in der Beauty-Szene so groß sein wie L’Oréal oder Coty. Aber, wie gesagt, zu Ihren Zeiten gab es wohl noch kein Marketing, keine Parfumerien. Sonst hätten Sie sicher gemerkt, dass Sie auf Tahiti einen echten Schatz gefunden haben, der Sie reich und unsterblich gemacht hätte…

Aufmacherbild ©GettyImages
Produktshot: Yves Rocher PR