Mit dem Strom, gegen die Glatze
12. Februar 2016
12 Uhr
Da hatte ein gewiefter Mensch einen Geistesblitz: Wie wäre es, wenn man die Kopfhaut mit Elektrizität zu neuem Leben erweckt? Also Haare wachsen lässt, wo bisher nur Kahlschlag herrschte. Ein Selbstversuch

Ich rasiere mir seit 17 Jahren alle drei Tage den Kopf. Am Anfang fand ich den Radikalschlag cooler als meine natur-gegebenen hundefarbenen Locken. Und heute – gibt es kein Zurück mehr, weil der Kahlschlag fortgeschritten ist. Aber ich probiere ja von Amts wegen jeden Scheiß aus – und so habe ich die vergan-genen Wochen versucht, mir mit galvanischem Strom neue Haare zu züchten.
Die Theorie ist nicht neu: 1780 entdeckte Luigi Galvani, ein Anatomieprofessor aus Bologna, dass ein Froschschenkel zusammenzuckt, wenn er mit einer Elektrisiermaschine in Berührung kommt. Galvani begann, die in Organen gespeicherte Elektrizität zu untersuchen, und ermöglichte somit die medizinische Verwendung von Gleichstrom mit null Hertz, dem nach ihm benannten galvanischen Strom.
Klingt nach Frankenstein – wir schließen totes Gewebe an den Strom an und basteln uns einen neuen Menschen –, aber so etwa sollten meine Haare wieder zum Leben erweckt werden:

Das kippenpäckchengroße Handgerät „ageLOC Edition Nu Skin Galvanic Spa II“ verspricht nämlich, mittels Strom und einer Nährstofflösung die Haarzellen zu neuer Produktivität anzuregen. Wo schon lang nichts mehr wächst, könnten also wieder Hoffnung und Haare sprießen.
Zunächst muss man einen Algenextrakt auf die Kopfhaut auftragen, um danach mit dem kammartigen Stromapplikator über den Schädel zu fahren. Schon strömt ein steter Elektrofluss in die Kopfhaut, der die Nährstoffe in die Follikel transportieren soll. Hab ich brav gemacht. Alle zwei Tage, acht Wochen lang.
Aber es hat nichts gebracht. Zumindest keine neuen Haare. Nur die Erkenntnis, dass man kahlen Kerlen besonders tief in die Tasche greifen kann: Gerät plus Ampullenkur kosten satte 500 Euro. Das mit der Hoffnung hat aber funktioniert: Ich habe nämlich beschlossen, mich mit Glatze gut zu finden.

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