Swag zum Aufsprühen - Part I
11. April 2016
13 Uhr
Nischendüfte sind das Statussymbol unserer Zeit. Wer der Welt beweisen will, dass er’s drauf hat, investiert in außergewöhnliche Duftnoten, die es nicht beim Discounter gibt. Teil eins: Warum sind Nischendüfte unisex?

Es ist ein bisschen wie mit Ikea – praktische Möbel zum Selberaufbauen machen Spaß (wenn man nicht gerade mega unbegabt ist), kosten nicht die Welt und sehen auch noch ganz ordentlich aus. Haken: Die Regale und Lampen stehen dann halt in jeder zweiten Wohnung rum. Ist vielleicht eine Einstellungssache – akzeptiert man, dass in Deutschland rund 18 Millionen Billy-Regale aufgebaut sind, oder shoppt man abseits des Mass-Markets, um – ja das geht – auch mit einem Bücherregal individuellen Stil zu beweisen (dafür muss man z.B. nur mal auf made.com vorbeischauen!). Jedem das seine. In Sachen Parfum gilt das ganz besonders: Man kann sein Parfum oder Rasierwasser bei Rossmann kaufen. Muss dann aber akzeptieren, dass sehr sehr viele Menschen auf der Straße genauso riechen.

Die Alternative sind qualitativ herausragende Nischendüfte. Also jene, die zwar deutlich teurer sind als die Massenabfüllung im Drogeriemarkt, dafür aber einzigartig und oft genial. Dabei täuscht das Wort „Nische“, denn mittlerweile deckt dieses Luxus-Segment rund ein Drittel des deutschen Parfummarktes ab! Tendenz steigend. Insofern mag ich den amerikanischen Namen „Indie-Scents“ lieber. Parfums, die von vielleicht kleinen Manufakturen hergestellt werden und nicht dem Marketing-Diktat großer Konzerne unterliegen. Neu ist nun, dass immer mehr Mode-Labels diesen Trend erkannt haben und besondere Düfte anbieten, meistens abseits der großen Parfumerie-Ketten, sondern zum Beispiel nur in den eigenen Fashion-Filialen. Elie Saab, Dolce & Gabbana, Hermès und jetzt auch Prada bieten Duft-Kollektionen, die es nur in den eigenen Boutiquen gibt. Sinn: hier werden die Verkäufer so gezielt geschult, dass sie exzellente Duft-Berater werden. Denn Nischen-Düfte brauchen deutlich mehr und bessere Beratung als ein 0815-Massmarket-Parfum.

Charakter in Flaschen
Im Grunde bieten Nischendüfte erst mal nichts Neues. Parfums sind in ihrer Geschichte immer schon Ausdruck von gesellschaftlichem Rang, kultureller Abgrenzung und Individualität gewesen. Hof-Lieferanten wie Creed, Guerlain & Co mischten eigene Düfte für Kaiser und Prinzessinnen, Gentlemen und Künstler. Dann kam irgendwann Mitte des 20. Jahrhunderts die Marketing-Keule und beschloss, Parfums für jeden erschwinglich und erreichbar zu machen. Es gab billigere Inhaltsstoffe, die neuen Möglichkeiten der Massenfertigung, und dank der fortschreitenden Globalisierung der Märkte und Verkehrswege nun auch internationale Distribution. Plötzlich gab es Parfums für Männer ODER für Frauen, bis dato existierte so eine Unterscheidung gar nicht. Früher stand der Kunde vor der Wahl, was ihm gut gefällt. Lavendel oder Weihrauch, Rose oder Sandelholz, Zitrus oder Amber... der Träger entschied, was ihm steht und gefällt. Heute ist das bei Nischendüften wieder (immer noch) so. Die meisten Parfums interessieren sich nicht dafür, ob sie von einem Mann oder eine Frau getragen werden. Der Kunde riecht, probiert und entscheidet, ob der Duft zu ihm passt. Punkt.


Neu bei Prada: „Olfactories“
Nun hat also eines unserer Lieblings-Modelabel, Prada, auch eine kleine aber feine Indie-Kollektion auf den Markt gebracht. Zehn Unisex (Logo!)-Kreationen, die mit Sinnesfragmenten spielen,
mal üppig und verschwenderisch süß wie „Nue au soleil“ – das Orangenblüten in Honig taucht – mal animalisch und würzig mit (uns Großstädtern) fast absurd exotisch anmutenden Nuancen in „Double dare“. GQ-Liebling ist aber „Cargo de Nuit“, ein schwereloser Abendhauch, der Erinnerungen heranweht an prickelnden Champagner, weiche Lippen und die glatte bodenlose Tiefe eines schwarzen Sees. Elegant aber unterschwellig sexy. Oder wie Prada selbst es beschreibt: „Ein Gleiten ins Ungewisse unter dem funkelnden Sternenzelt. Ein kühnes Abenteuer, dem man willenlos ergeben ist. Hier ist behutsamer Umgang geboten.“ Alles klar? Das ist natürlich komplizierter als der simple Coolwater-Mann. Es ist vielschichtiger, abgehobener, auch rätselhafter. Aber dafür kann man am Ende des Tages halbwegs sicher sein, der einzige zu sein, weit und breit, der diesen Duft trägt. Und – versprochen! – wem dieser Duft steht, der wird garantiert ständig darauf angesprochen werden. Denn das ist noch so ein Unterschied der Nischendüfte zu den weitverbreiteten Massenprodukte: Sie riechen so ungewöhnlich, so subtil-intensiv, dass andere Menschen gar nicht anders können, als ihn wahrzunehmen. Das ist dieser Moment, den Parfumeure immer suchen: Wenn ein Parfum unterschwellig andere Menschen in seinen Bann zieht. Oder, um es mit den Worten italienischer Herrenausstatter der alten schule zu sagen: Ein guter Anzug muss so sitzen, dass mein Gegenüber erkennt, dass ich gut angezogen bin – ohne sagen zu können warum.“

Info:
Die Prada „Olfactories“ sind in Flakons à 100 ml zum UVP-Preis von 250,- Euro in einzelnen Prada Boutiquen erhältlich.