Augencremes sind NUR was für Frauen?
16. Februar 2016
11 Uhr
Ulf aus Hamburg hat Streit mit seiner Freundin. Sie sagt: Ihre Lieblings-Augencreme ist nichts für Kerle. Er sagt: keine Ahnung. Und fragt den Care-Experten seiner Wahl. Gibt es Augencremes, die auf Frauenhaut anders wirken als auf Männerhaut?

Lieber Ulf, liebe Lisa – Ihr seid der Prototyp des modernen urbanen Pärchens. Die stilbewußt Mode shoppen und ihr Aussehen typgerecht pimpen wollen. Das finde ich toll. Aber die Streitfrage nach der Augencreme kann ich ganz schnell schlichten: Eine Eyecream unterscheidet nicht nach dem Geschlecht der Haut, auf die sie aufgetragen wird. Ergo sind die meisten Augencremes Unisex-Produkte. Manche tendieren in Verpackung (rosa) oder Duft (rosig) in Richtung Mädchen, aber selbst die könnte sich jeder Mann unter die Augen schmieren.


Frauen sind anders gebaut. Auch im Gesicht
Es gibt Cremes im Kosmetikregal, die sich gezielt auf Frauenhaut stürzen möchten. Denn die Haut von Frauen und Männern ist grundsätzlich sehr verschieden. Männerhaut ist fettiger und im Schnitt 0,2 mm dicker – Androgene begünstigen die Talgproduktion, während Östrogene sie bremsen. Die Kollagenfasern sind verschieden angeordnet – dadurch erschlafft Frauenhaut früher aber stetig, Männerhaut dagegen spät aber radikal. Außerdem verlieren Frauen mehr Feuchtigkeit aus der Haut (Transepidermaler Wasserverlust), weshalb die Hornschicht der Frau oft trockener ist und mehr reichhaltige Pflege fordert. Dieser Unterschied ist am größten an den Händen und den Unterarmen – also weit weg von den Augen, by the Way! Schließlich ist Männerhaut auch noch saurer als die der Frauen (Stichwort pH-Wert), der Unterschied ist auf der Stirn und den Wangen am deutlichsten. Aber all diese Faktoren haben so gut wie keine Asuwirkung auf die Augenpartie, oder besser gesagt auf die zu kaufende Augenpflege.

In jedem Kosmetik-Tiegel steckt viel Psychologie
Viel, was den „Unterschied“ zwischen einer Creme für Frauen und einer für Männer ausmacht, ist geschickte, psychologisch fundierte Verkaufsstrategie. Kleiner Ausflug in die Marktfroschung: Kerle wollen etwas spüren, wenn sie eine Pflege auftragen, deswegen enthalten Gesichtsgele oft Menthol, um einen kühlenden Soforteffekt zu liefern. Mädchen dagegen möchten ihre Sinne verwöhnen, sich etwas „gönnen“. Deswegen sind die Texturen oft rosa- oder apricot-farben getönt, duften und vermitteln das Gefühl von „Spa im Tiegel“. Apropos Tiegel: Männer bevorzugen alles mit Pipette oder Pumpspendern, praktisch-schnell-effektiv. Frauen lieben eher Cremes in runden Tiegeln mit abschraubbarem Deckel, die sie wie einen Schatz öffnen und mit den Fingern in die zartschmelzende Textur greifen können. Männer kaufen bevorzugt blaue Produkte, Frauen rosa. Männer mögen Aufdrucke und Markennamen, die wie PS-Zahlen klingen: S7, Q10, 72H – Frauen mögen Worte lieber. Wie Beauty, Detox, Eclat oder deluxe. Das könnte ich endlos weiterführen...

Am Ende bleibt: Die perfekte Augencreme
Zusammenfassend bleibt bei der Frage nach der geschlechterspezifischen Augencreme tatsächlich nur die antwort: Schmier Dir drauf, was Dir gefällt. Die sehr dünne und empfindliche Augenpartie bei Männern ist (im Gegensatz zum Rest des Gesichtes) nicht signifikant anders konstruiert als bei Frauen, und welche Textur oder verpackungsfarbe einem Kerl taugt, können wir nur erahnen... Fakt ist einzig: Jeder sollte seine eigene Augenpflege im Bad stehen haben. Augenärzte warnen immer wieder davor, sich als Pärchen eine Creme zu teilen – da das zum Austausch von Bakterien und Viren führen kann, die wiederum eine Augenentzündung hervorrufen können. Also: Cremt Euch doch ein, mit was Ihr wollt – die Haut wird so oder so begeistert sein! In der aktuellen GQ haben wir übrigens auf Seite 199 die besten neuen Vitamin- und Pflanzen-Booster gegen graue Winterhaut zusammengestellt, auch eine Augenpflege – und, Überraschung: Diese Produkte sind tatsächlich ALLE unisex!

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