Körperhaar – rasieren oder nicht?
04. April 2016
18 Uhr
Auf Chewbaccas Planeten Kashyyyk muss es viele Insekten geben. Denn Evolutionsbiologen sagen, Körperbehaarung hätte die Funktion, Krabbel- und Stechtiere von Körperöffnungen und der Haut fernzuhalten. Ergo: Der Schreibtischheld von heute braucht kein Fell. Aber während in den vergan-genen zehn Jahren der glatt rasierte Muskelkörper als Vorbild diente, kommt nun die Kehrtwende: Man lässt wieder wachsen. Nur eben nicht überall. Und nicht überall gleich lang.

Die dunkle Seite der Macht –
Männer, macht Euch frei – vom Diktat des haarlosen Bubikörpers
Der Hipsterbart ist tot. Das hat wohl jeder begriffen. Und falls nicht, gern noch mal: Er ist tot, dead, morto. Aber natürlich gibt es längst neue Regeln für all das, was unkontrolliert aus der Haut sprießt, dieses Mal vor allem für südlichere Gefilde: Kann man 2016 noch einen „Achselwolf“ züchten? Und darf man getrost wieder die behaarte Brust schwellen lassen? Wer dem Trend folgen will, lässt es wachsen, stutzt es aber auf ein ästhetisch verträgliches Maß. Soll heißen, der animalische Tom-Selleck-Pelz ist noch immer out, die glatt rasierte Justin-Bieber-Hühnerbrust will aber auch keiner mehr. Stattdessen heißt die Ansage jetzt natural trimmed: Die Brust bleibt behaart. Wer mag, kürzt, bevor sich die Mähne kringelt.
Alles über dem Schlüsselbein, also Hals und Schulterbereich, wird restlos frei gemacht. Am Bauch bleibt eine breite Spur stehen, die das even-tuell vorhande-ne Sixpack betont oder zumindest eine sportliche Ahnung hinterlässt. Den Schambereich bitte sorgsam stylen, also getrimmt statt Kahlschlag oder Urwald. Hollywoods Barbiere berichten übrigens, dass die Alphatiere der Filmbranche sich bei ihnen nicht nur den Bart scheren lassen, sondern Brust und Bauch gleich mit. Es scheint wie ein Comeback des Rock ’n’ Roll, nur in moderner, gezähmter Version.

Rasieren du dich sollst, junger Padawan
Oder nicht? Früher durften Männer aussehen, wie sie wollen. Haarig, ungezähmt, stark und effizient. Typ: Macher. Dann, irgendwann in den vergangenen zwei Jahrzehnten, wurden wir ungefragt in den Wettbewerb um Mr. Germany geschubst. Plötzlich sollten, nein, mussten wir „schön“ sein. Mit stylisher Frisur und rasiertem Muskelkörper. Die Kombo aus Porno, Pop und Prominenz hat Männer wie Frauen leider gelehrt: Haare, die nicht auf dem Kopf wachsen, sind eklig. Studien ergeben mittlerweile, dass junge Menschen der Meinung sind, kaum in der Pubertät angekommen, müssten die ersten Vorboten der sexuellen Reife sofort mit der Wurzel ausgerissen werden. Weil jede Körperbehaarung eklig sei. Der Sporno, jener Männertyp zwischen Sportler und Pornostar, ist das leidige Ergebnis dieser Entwicklung. Aber dass dabei die männliche Identität in Schieflage gerät, kann so auch nicht stehen bleiben. Ein Mann, der seinen Körper nicht mikromanagen muss, sondern ihn nimmt und lässt, wie er ist, strahlt Selbstbewusst-sein und lässiges Körpergefühl aus, das die glatt rasierte Athletenfigur aus der Unterwäschewerbung nun mal nicht zeigt.

Wie wird man Haar los?

1 – Schnell: mit dem Trimmer
Die simpelste und günstigste Methode. Spezielle Geräte für den Körper (siehe linke Seite) kombinieren klassische Nassrasierer und elektrische Kurzhaarschneider. Der verlängerte Griff erleichtert es, den Rücken allein abzuschaben – so braucht man keinen Partner unter der Dusche. Die Klingen des E-Shavers sind eng angeordnet, sodass auch die dünne Haut an den Hoden nicht so schnell eingezwickt wird.

2 – Nachhaltig: mit Licht
Langwierig und kostspielig, aber dauerhaft. IPL-Blitze brennen wie Lichtschwerter die Haare weg – das klingt schmerzhaft, ist aber nur als Ziepen zu spüren. Aufwand: Man muss etwa alle sechs Wochen zur Behandlung, meist braucht es um die zehn Sitzungen. Also dauert es locker über ein Jahr, bis die Prozedur abgeschlossen ist. Eine Sitzung kostet um die 100 Euro. Dafür ist man dann dauerhaft glatt. Beste Adresse: hairfree.com

3 – Schmerzhaft: mit Wachs
Waxing-Studios behaupten immer wieder, auch viele Männer zum Kundenkreis zu zählen. Aber im Ernst: kann man sich sparen. Das ist meine SUBJEKTIVE ERFAHRUNG: Es schmerzt höllisch, vor allem im Schambereich. Lieber rasieren!
aber das muss vielleicht jeder einmal in seinem Leben ausprobiert haben, um zu wissen, ob's ihm taugt.