Farbe statt Glatze – Neuer Trend?
25. August 2016
15 Uhr
Wenn es oben rum mit der Zeit kahl wird, Männer viele Theorien: Der (seit Elton John etwas aus der Mode gekommene) Fifi, den man wie eine tote Ratte auf die Platte legt. Oder wie Homer Simpson die kümmerlichen Reste irgendwie drüberföhnen (seit Donald Trump wieder ein bisschen in Mode). Denn abrasieren wirke ja – so bleuen es uns Perückenhersteller seit tausenden von Jahren ein – unmännlich. Und alt. Und hässlich. Ganz neu gibt es noch eine vierte Möglichkeit: Farbe statt Glatze

Dies ist der erste Selbsttest in sieben Jahren, den ich gar nicht getestet habe. Der mich aber vier Wochen jeden Morgen vor dem Badspiegel beschäftigt hat... Soll ich oder soll ich nicht? Denn es gibt eine neue Idee in Sachen Haare: Micro-Pigmentierung für Glatzenträger. Für alle Kerle, die wie ich obenrum nicht viel auf der Platte haben. Heißt: Hauptsächlich kahl, außen rum rasierte Stoppel. Ein ähnlich bestückter Kumpel von mir nennt das „den Kranz“, und wirkt bei diesem Wort so angewidert, als spräche er von einem verfluchten Geisterhaus, in dem gruselige Untote jeden Abend ihre Opfer zwingen, den Musikantenstadl anzusehen. Es stimmt schon, man wirkt sofort deutlich älter, wenn sich oben auf dem Kopf der sogenannte „Honecker“ breitmacht. Und genau dort soll die neue Behandlung ansetzen: Dort, wo statt Haarstoppel auf der Glatze nur kahle Haut zu sehen ist, werden dunkle Farbpigmente in die Epidermis implantiert. Die Micropigmente sehen dann aus wie Haarfollikel und sollen dem Träger bei einem Betrachtungsabstand von wenigen Zentimeter das Aussehen eines gesunden Haarbildes geben. Aber nein, ich habe es dann doch nicht getestet. Obwohl volles Haar für Männer gerade der Mega-Hype werden soll. Jetzt wo es sogar vom französischen Fashion-Label „Balmain“ Haar-Extensions und -auffüllungen zu kaufen gibt. Merkwürdig genug. Ich habe mich gegen das Kopftattoo entschieden, denn ich misstraue dem Ergebnis, das ja wohl nur gut aussehen dürfte, wenn man jeden Morgen die echten Haare auf Follikelkürze schert. Sonst mischen sich tätowierte Punkte und längere Stoppeln, das dürfte nicht mal auf zehn Meter Sicherheitsabstand echt aussehen. Dafür bin ich aber zu faul. Dann lieber den Kranz selbstbewusst tragen und die Realität hinnehmen wie ein Kerl. Haare machen mich nicht schöner, cooler, männlicher. Genauso wenig wie Goldkettchen, Turnbeutel oder Tretroller für Erwachsene. Ich bin keine sechzehn mehr, na und? Haare zu verlieren ist nicht unmännlich. Nicht dazu stehen zu können aber schon.