Bad Hair Day: Schlaganfall vom Friseur?
18. März 2016
10 Uhr
Erst war es ein Gerücht, jetzt verhärten sich die Hinweise: Männer mit schwachem Bindegewebe könnten vom Friseur-Besuch nicht nur mit einem Haircut, sondern auch mit einem „Stroke“ zurückkommen. Ärzte haben sogar ein Wort dafür: Das „Schönheitssalon-Syndrom“. Dasselbe Risiko herrscht übrigens beim Chiropraktiker und sogar beim Telefonieren.

270.000 Deutsche kriegen durschnittlich pro Jahr einen Schlaganfall, quer durch alle Altersschichten, wenn auch verstärkt bei über 60jährigen. Moderne Untersuchungsmethoden wie die Computer-Tomographie (CT) bestätigen nun, dass oft die Nackenarterien „schuld“ sind. Erstens hat vermutlich jeder vierte Mensch von Natur aus zu schmale, so dass sich schon ein temporärer teilverschluß verheerend auf die angeschlossenen Gehirnareale auswirken kann. Zweitens liegen sie so im hinteren Halsbereich angeordnet, dass sie alle Dreh- und Kipp-Bewegungen der Haslwirbel mitmachen müssen und nicht ausweichen können. Werden sie abgeklemmt, etwa wenn man beim Friseur längere Zeit mit dem Kopf rückwärts auf dem ungepolsterten Waschbecken liegt, kann es tatsächlich zu einem Schlaganfall kommen. Patientenberichte aus der ganzen Welt belegen das. Ähnlich gefährlich kann schon das Arbeiten mit einem Chiropraktiker sein, und sogar längeres Telefonieren: Ein Patient mit verkalkter rechter Nackenarterie wurde nach einem längeren Telefonat in die Notaufnahme eingeliefert, bei dem er den Kopf so gebeugt hatte, dass er den Telefonhörer mit der Schulter eingeklemmt halten konnte.

Was hilft?
Anders essen! Eine Studie der WHO belegt, dass erhöhte Kaliumzufuhr das Risiko für einen Schlaganfall um fast ein Viertel senkt! Natrium dagegen, das in Salz enthalten ist, steigert das Riskio für Herzinfarkt und Schlaganfall enorm. Praktischerweise ist Kalium die Antipode von Natrium, ein natürlicher Gegenspieler, der kleinere Salzsünden ausgleicht. Problem: Wir Menschen in den Industriestaaten nehmen immer weniger Kalium zu uns. Wie so oft kann man also zusammenfassen, und das ist zwar nicht überraschend aber wichtig, dass man mehr selber mit frischen Zutaten kochen sollte. Fertiggerichte und Fast food sind Natrium-Bomber. Besser, weil voll Kalium, sind Spinat, erbsen, Nüsse und Bananen.

Auch der Arterien-Verkalkung an sich kann man mit besserer Ernährung ein bisschen entgegenwirken: Mehr Obst und Gemüse auf den täglichen Speiseplan heben, tierische Fette dagegen verbannen. Außerdem viel bewegen, auf Zigaretten verzichten, Übergewicht und Stress abbauen.

Und zweitens, albern aber trotzdem wahr: die naheliegenden Lehren der oben geschilderten Probleme. Suchen Sie sich vorsichtshalber für längere Friseur-Sitzungen, z.B. mit Färben, einen Coiffeur-Salon mit gepolsterten Waschbecken (ein Luxus, den man beim 10-Euro-Friseur wahrscheinlich nicht findet).
Klemmen Sie den Telefonhörer nicht zu lange einseitig zwischen Kopf und Schulter, und vermeiden Sie Chiropraktiker-Besuche, wenn Ihnen schwindelig ist, Sie unscharf sehen oder taubes gefühl in Gliedmaßen spüren (alles Warnanzeichen!). Schon eine hastige Kopfbewegung, sogar das Hochreißen der Arme kann im Vor-Stadion dann einen Schlaganfall auslösen.

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